Gartenbank, Sichtschutz, Hochbeet, Terrasse: Holz ist im Garten allgegenwärtig, und nach dem ersten Winter stellt sich fast immer dieselbe Frage. Soll man ölen, lasieren oder das Holz einfach so lassen, wie die Natur es haben will? Die Antwort hängt weniger von Vorlieben ab als von Holzart, Einbausituation und dem eigenen Anspruch an die Optik. Wer diese drei Punkte kennt, spart sich viel Arbeit und manche Dose Pflegemittel.
Was mit unbehandeltem Holz im Freien passiert
Holz im Außenbereich ist zwei Belastungen ausgesetzt: UV-Strahlung und Feuchtigkeit. Das Sonnenlicht baut das Lignin an der Oberfläche ab, einen der Bausteine, die Holz seine Festigkeit und Farbe geben. Der Regen wäscht die abgebauten Bestandteile aus. Zurück bleibt eine silbergraue Schicht aus Zellulosefasern, die oft als „Vergrauung“ oder Patina bezeichnet wird. Dieser Vorgang ist rein optisch und betrifft nur die oberste Schicht von wenigen Zehntelmillimetern. Die Stabilität des Holzes leidet darunter nicht.
Gefährlich wird es erst, wenn Holz dauerhaft feucht bleibt. Holzzerstörende Pilze brauchen eine Holzfeuchte, die über längere Zeit oberhalb von etwa 20 Prozent liegt. Ein Brett, das nach jedem Regen schnell wieder abtrocknet, ist deshalb weit weniger gefährdet als ein Pfosten, der im nassen Erdreich steckt oder an dem sich Laub sammelt.
Die Holzart entscheidet mit
Nicht jedes Holz verträgt das Leben im Freien gleich gut. Die Norm DIN EN 350 teilt Hölzer in Dauerhaftigkeitsklassen von 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft) ein. Eine Übersicht über das Prinzip bietet der Wikipedia-Artikel zur Dauerhaftigkeit von Holz. Für heimische Gartenhölzer gilt grob:
- Robinie: zählt zu den dauerhaftesten heimischen Hölzern und wird oft für Spielgeräte und Zaunpfähle genutzt.
- Eiche: im Kernholz dauerhaft, enthält Gerbstoffe, die bei Kontakt mit Eisen dunkle Flecken bilden können.
- Lärche und Douglasie: mäßig bis wenig dauerhaft, im Garten aber verbreitet, weil sie harzreich und vergleichsweise gut verfügbar sind.
- Kiefer und Fichte: ohne Schutz wenig dauerhaft, im Außenbereich daher häufig kesseldruckimprägniert.
Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Kernholz und Splintholz. Die Dauerhaftigkeitsangaben beziehen sich auf das Kernholz. Splintholz, die hellere äußere Zone des Stammes, ist bei fast allen Arten deutlich anfälliger.
Die drei Wege im Vergleich
Vergrauen lassen
Der naturnaheste Weg ist, gar nichts aufzutragen. Bei dauerhaften Hölzern wie Robinie, Eiche oder Lärchenkernholz funktioniert das gut, vorausgesetzt, das Holz kann abtrocknen. Die silbergraue Farbe stellt sich je nach Ausrichtung nach einigen Monaten bis wenigen Jahren ein, an der Wetterseite schneller als unter einem Dachüberstand. Der Nachteil: Der Übergang ist oft ungleichmäßig, und in feuchten Ecken können sich dunkle Verfärbungen durch Bläuepilze oder Algen bilden. Wer damit leben kann, hat praktisch keinen Pflegeaufwand.
Ölen
Öle dringen in das Holz ein und bilden keinen geschlossenen Film. Sie feuern die Maserung an, machen die Oberfläche wasserabweisender und lassen sich jederzeit ohne Anschleifen nachbehandeln. Im Außenbereich werden pigmentierte Terrassen- oder Gartenmöbelöle verwendet, da Pigmente einen gewissen UV-Schutz bieten. Ohne Pigmente vergraut geöltes Holz trotzdem, nur etwas später. Je nach Bewitterung ist eine Auffrischung ein- bis zweimal im Jahr üblich. Wer reines Leinöl nutzt, sollte wissen, dass getränkte Lappen sich beim Trocknen selbst entzünden können; sie gehören ausgebreitet getrocknet oder in einen verschlossenen Metallbehälter mit Wasser.
Lasieren
Lasuren bilden je nach Typ einen dünnen bis mittleren Film auf der Oberfläche. Dünnschichtlasuren eignen sich für Holz, das sich bewegen darf, etwa Zäune oder Pergolen. Dickschichtlasuren sind für maßhaltige Bauteile wie Fenster und Türen gedacht. Der Schutz vor UV-Licht und Feuchte ist höher als bei Öl, dafür muss vor einer Erneuerung oft angeschliffen werden, sobald der Film reißt oder abblättert. Auf waagerechten, begehbaren Flächen wie Terrassendielen sind Lasuren meist keine gute Wahl, weil der Film durch Abrieb schnell beschädigt wird.
| Methode | Optik | Aufwand | Geeignet für |
| Vergrauen lassen | silbergrau, naturbelassen | sehr gering | dauerhafte Hölzer, gut belüftete Bauteile |
| Ölen | Maserung betont, Farbe hält länger | regelmäßiges Nachölen | Terrassen, Gartenmöbel, Hochbeet-Außenseiten |
| Lasieren | farbig, gleichmäßig | Erneuerung mit Anschleifen | Zäune, Fassaden, senkrechte Flächen |
Wer die Unterschiede zwischen Öl, Hartwachsöl, Lasur, Beize und Lack noch genauer nachlesen möchte, findet bei Holz Natürlich eine Seite zu Holzpflege und Oberflächen im Vergleich, die auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Ölen und Schleifen sowie Hinweise zur Holzfeuchte enthält.
Konstruktiver Holzschutz: wichtiger als jedes Mittel
Unabhängig von der gewählten Oberfläche entscheidet die Bauweise darüber, wie lange Holz im Garten hält. Diese Grundsätze des konstruktiven Holzschutzes kosten wenig und wirken mehr als jede Beschichtung:
- Kein direkter Erdkontakt: Pfosten auf Metallschuhe oder Steinsockel setzen, damit Stirnholz nicht im nassen Boden steht.
- Wasser ablaufen lassen: Obere Kanten leicht abschrägen, Abdeckbretter auf Zäunen und Hochbeeten anbringen.
- Abstand halten: Fugen von einigen Millimetern zwischen Dielen und Brettern ermöglichen das Abtrocknen.
- Stirnholz schützen: Schnittkanten saugen Wasser besonders stark auf. Hier lohnt eine zusätzliche Behandlung oder eine Abdeckung.
- Laub und Erde entfernen: Was auf dem Holz liegen bleibt, hält Feuchtigkeit fest.
Natürlich pflegen: Worauf achten?
Wer im Garten möglichst wenig Chemie einsetzen möchte, kommt mit einer Kombination aus dauerhafter Holzart, gutem konstruktiven Schutz und gelegentlichem Ölen weit. Bei Hochbeeten, in denen Gemüse wächst, sollte die Innenseite unbehandelt bleiben oder mit einer Noppenfolie vom Erdreich getrennt werden, damit keine Inhaltsstoffe in die Erde gelangen. Für Spielgeräte gelten strengere Anforderungen an Oberflächen, hier lohnt der Blick ins technische Merkblatt und auf die Angabe zur Eignung für Kinderspielzeug.
Ein letzter Tipp aus der Praxis: Vor dem Ölen oder Lasieren immer eine Probefläche an einer unauffälligen Stelle anlegen. Jede Holzart nimmt Pflegemittel etwas anders auf, und der Farbton auf dem Etikett weicht oft deutlich von dem ab, was am Ende auf dem eigenen Gartenzaun zu sehen ist.