Ein langer Wandertag, die nächste Quelle kilometerweit entfernt, und der letzte Schluck aus der Flasche ist längst weg. Wer beim Camping oder auf mehrtägigen Outdoor-Touren nicht auf fließendes Wasser zählen kann, muss Trinkwasser mitbringen und zuverlässig lagern. Doch nicht jeder Behälter ist dafür geeignet. Material, Größe und Kennzeichnung entscheiden darüber, ob das Wasser nach zwei Tagen noch sicher trinkbar ist oder Geschmack, im schlimmsten Fall sogar die Gesundheit leidet.
Warum das Material nicht egal ist
Plastik ist nicht gleich Plastik. Bei Trinkwasserbehältern kommen vor allem drei Kunststoffe in Frage: Polyethylen hoher Dichte (HDPE), Polypropylen (PP) und Tritan. HDPE ist der Klassiker für Kanister und Jerrycans. Er ist robust, lebensmittelecht, UV-beständiger als viele andere Kunststoffe und gibt bei sachgemäßer Nutzung keine nachweisbaren Schadstoffe an das Wasser ab. PP findet sich häufig in kleineren Campingflaschen und Faltbehältern. Tritan, ein BPA-freier Copolyester, ist besonders beliebt für transparente Flaschen, da er Klarheit mit Bruchfestigkeit verbindet.
Kritisch werden alle Kunststoffe, wenn sie beschädigt, zu stark erhitzt oder mit aggressiven Reinigungsmitteln behandelt werden. Kratzer im Inneren eines Kanisters bieten Bakterien Halt. Wer seinen Behälter nach jeder Tour nicht gründlich reinigt und trocknen lässt, riskiert Schimmelbildung. Edelstahl und Glas sind Alternativen ohne Kunststofffragen, aber für größere Mengen auf Tour zu schwer und zu unpraktisch.
Kennzeichnungen verstehen: Was muss auf dem Kanister stehen?
Ein entscheidender Punkt wird oft übersehen: Nicht jeder Kanister, der aussieht wie ein Wasserkanister, ist auch für Trinkwasser zugelassen. Die entscheidende Kennzeichnung ist das Pokalsymbol oder der Schriftzug “für Lebensmittel geeignet” beziehungsweise das international gebräuchliche Symbol der Gabel mit dem Weinglas. Fehlt diese Angabe, hat der Behälter auf dem Campingtisch nichts zu suchen, zumindest nicht für Trinkwasser.
Darüber hinaus sollte der Kunststofftyp erkennbar sein, idealerweise durch ein Recyclingdreieck mit der entsprechenden Ziffer. HDPE trägt die Ziffer 2, PP die Ziffer 5. Einige Hersteller geben auch Informationen zur BPA-Freiheit oder zur Konformität mit der europäischen Trinkwasserverordnung an. Das Umweltbundesamt hält dazu aktuelle Informationen bereit, insbesondere zur Frage, welche Kunststoffe für den Kontakt mit Lebensmitteln und Wasser unbedenklich sind.
Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Kanister, die explizit als Trinkwasserbehälter vermarktet werden und entsprechende Zertifizierungen vorweisen. Ein guter Anlaufpunkt für den Vergleich verschiedener Modelle und eine Erklärung der wichtigsten Kriterien ist der Ratgeber zu Wasserkanister für Trinkwasser, der Materialfragen und Auswahlkriterien übersichtlich aufbereitet.
Welche Kanistergröße passt zu welchem Einsatz?
Die Antwort hängt von zwei Faktoren ab: Personenzahl und Tourdauer. Als Faustregel gilt, dass ein erwachsener Mensch unter moderater körperlicher Belastung zwei bis drei Liter Wasser pro Tag benötigt. Bei hohen Temperaturen oder intensiver Bewegung kann der Bedarf auf vier Liter und mehr steigen.
- 1 bis 2 Liter: Tagestouren, als persönliche Trinkflasche geeignet, kein echter Campingkanister
- 5 bis 10 Liter: Wochenendtrip für eine bis zwei Personen, noch gut transportierbar, passt in die meisten Rucksäcke oder Fahrradkörbe
- 20 Liter: Standard für Autofahrer und Camping mit dem Van oder Wohnmobil, entspricht dem klassischen Jerrycan-Format
- 30 bis 60 Liter: Basecamp-Nutzung, Gruppenreisen, oder wenn über mehrere Tage keine Nachfüllmöglichkeit besteht
Ein 20-Liter-Kanister wiegt voll rund 20 Kilogramm. Das klingt nach wenig, ist aber für längere Fußwege schon eine ernsthafte Last. Deshalb setzen viele erfahrene Outdoor-Reisende auf mehrere kleinere Behälter statt einen einzigen großen. Das erleichtert das Tragen, erlaubt eine bessere Gewichtsverteilung und reduziert das Risiko, beim Umfüllen größere Mengen zu verschütten.
Lagerung unterwegs: Licht, Wärme und Hygiene
Selbst ein einwandfreier Kanister schützt nicht, wenn die Lagerung falsch läuft. Sonnenlicht beschleunigt das Algenwachstum und kann Kunststoffe auf Dauer schädigen. Kanister sollten deshalb schattig und möglichst kühl aufbewahrt werden, also im Fahrzeuginneren, im Schatten eines Zeltvorbaus oder im Kofferraum, nicht oben auf einem Autodach im prallen Sonnenlicht.
Einmal angebrochenes Wasser sollte innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden. Wer auf langen Touren auf Nummer sicher gehen will, kann Silberionen-Tabletten oder ähnliche Aufbereitungsmittel verwenden. Diese sind allerdings kein Ersatz für hygienische Grundregeln: niemals direkt aus dem Kanisterauslauf trinken, immer Gläser oder Becher nutzen, und den Deckel nach dem Öffnen sofort wieder schließen.
Faltkanister und Wassersäcke als leichte Alternative
Für alle, die auf Gewicht und Packmaß angewiesen sind, bieten Faltkanister und Wassersäcke aus Lebensmittelsilikon oder BPA-freiem Kunststoff eine interessante Option. Im leeren Zustand lassen sie sich auf ein Minimum zusammenfalten und wiegen kaum etwas. Der Nachteil: Sie sind empfindlicher gegen mechanische Belastung und bieten keinen Schutz gegen starken Druck oder scharfe Kanten.
Informationen zu Materialstandards und Kennzeichnungsanforderungen für Lebensmittelkontaktmaterialien finden sich auch bei der Wikipedia-Seite zu Lebensmittelkontaktmaterialien, die einen soliden Einstieg in das Thema bietet und auf weiterführende Normen verweist.
Fazit: Wenige Kriterien, aber die richtigen
Wer Wasser beim Camping sicher lagern will, muss kein Materialexperte werden. Es reicht, auf drei Punkte zu achten: lebensmittelechtes Material mit entsprechender Kennzeichnung, eine sinnvolle Kanistergröße für die geplante Tourdauer, und eine konsequent hygienische Handhabung. HDPE-Kanister ab fünf Liter decken dabei die meisten Szenarien ab. Für ultraleichte Touren sind Faltbehälter aus zertifizierten Materialien eine echte Option. Das Wichtigste bleibt in jedem Fall: lieber einen Liter mehr mitnehmen als einen zu wenig.