Wildzählung mit Wärmebildkamera: So arbeitet die Drohnentechnik

Matthias

4. November 2026

Wildzählung mit Wärmebildkamera: So arbeitet die Drohnentechnik

Die Zählung von Wild gehört zu den aufwendigsten Aufgaben im Revier. Klassische Verfahren wie Ansitzzählung oder Scheinwerfertaxation sind zeitintensiv und vom Wetter abhängig. Eine Drohne mit Wärmebildkamera kann diese Verfahren ergänzen, indem sie größere Flächen in kurzer Zeit abdeckt.

Prinzip der Wärmebildzählung

Die Kamera erfasst Wärmestrahlung und stellt sie als Grauwerte oder Farbskala dar. Warmblütige Tiere erscheinen als helle Punkte. Aufgenommen wird entlang geplanter Flugbahnen, sodass die Fläche vollständig und ohne Doppelzählungen abgedeckt wird. Die Bilder werden später gesichtet, entweder von geschulten Personen oder mit softwaregestützter Unterstützung.

Welche Bedingungen helfen

  1. Kühle, trockene Luft mit klarem Himmel
  2. Flug in den Morgenstunden vor der Sonneneinstrahlung
  3. Wenig Wind, damit die Drohne stabil fliegt
  4. Offene oder lichte Flächen mit freiem Blick auf den Boden

Typische Fehlerquellen

Bewuchs und Kronendach verdecken Tiere, so dass der gezählte Wert eher eine Untergrenze darstellt. Warme Objekte wie Felsen oder Maschinen können Tiere vortäuschen. Zudem lassen sich Arten auf Wärmebildern nicht immer sicher unterscheiden, weshalb zusätzlich ein Zoombild oder eine Begehung nötig sein kann. Seriöse Auswertungen geben deshalb keine Scheingenauigkeit an.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Für Flüge gilt die Drohnenverordnung; hinzu kommen jagd- und naturschutzrechtliche Vorgaben des jeweiligen Landes. Wer im Revier fliegen lässt, sollte sich mit Jagdausübungsberechtigtem, Grundeigentümer und gegebenenfalls Naturschutzbehörde abstimmen. Hinweise auf konkrete Zulässigkeiten können nur die zuständigen Stellen geben.

Praktische Umsetzung

Für die Umsetzung kann ein Dienstleister wie Eubanet Digital aus Ibbenbüren genutzt werden, der Drohnenflüge anbietet und die Daten aufbereitet. Wichtig ist, dass die Aufgabenstellung klar formuliert wird: Welche Fläche, welcher Zeitraum, welche Tierart, welches Ergebnisformat? Auf dieser Basis lassen sich Aufwand und Termine realistisch planen.

Vergleich mit klassischen Zählverfahren

Bei der Ansitz- oder Scheinwerferzählung werden Tiere von festen Punkten aus erfasst. Das Ergebnis hängt stark von Sicht, Standort und Erfahrung der Beobachter ab. Die Drohnenzählung deckt dagegen die Fläche systematisch ab und dokumentiert jede Aufnahme. Das macht die Ergebnisse nachvollziehbarer und erleichtert die Wiederholung.

Allerdings entstehen auch neue Fragen: Fliegt die Drohne zu tief, kann Wild flüchten und wird doppelt oder gar nicht gezählt. Zu große Flughöhe verringert dagegen die Erkennbarkeit. Praktiker kombinieren deshalb oft mehrere Methoden und vergleichen die Ergebnisse, bevor sie Entscheidungen zur Bejagung treffen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen, wie die Zahl zustande kam und welche Unsicherheiten bleiben. Nur dann lässt sich ein Ergebnis fair diskutieren, ob in der Hegegemeinschaft oder mit der Jagdbehörde.

Dokumentation und Nachweis

Sinnvoll ist ein kurzer Bericht mit Datum, Uhrzeit, Wetter, Flughöhe, Gerät und Flugstrecken. Er macht die Zählung nachvollziehbar und kann bei Rückfragen von Behörden oder Pächtern vorgelegt werden. Die Bilder selbst sollten so gespeichert werden, dass sie später erneut gesichtet werden können. Wer die Zählung wiederholt, sollte dieselben Parameter verwenden, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben und Veränderungen nicht auf unterschiedliche Methoden zurückzuführen sind.

Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf die Software. Manche Programme markieren warme Punkte automatisch, andere unterstützen nur die manuelle Sichtung. Automatische Treffer sollten immer von einer Person geprüft werden, weil Fehlalarme durch Sonnenreflexe, Wasserflächen oder Weidetiere nicht selten sind.

Fazit

Die Wärmebildzählung per Drohne liefert wertvolle Zusatzinformationen, ersetzt aber keine fundierte Revierkenntnis. Als Baustein neben anderen Methoden unterstützt sie fundierte Entscheidungen zur Bewirtschaftung.