Natur auf El Hierro: Biosphärenreservat und Geopark

Chris

5. November 2026

Natur auf El Hierro: Biosphärenreservat und Geopark

Wer an die Kanaren denkt, hat oft volle Strände und große Hotelanlagen vor Augen. El Hierro, die westlichste Insel des Archipels, zeigt ein ganz anderes Bild. Steile Klippen, Lavafelder, Kiefernwälder, nebelverhangene Hochebenen und ein artenreiches Meer prägen die kleine Insel. Seit dem Jahr 2000 ist El Hierro als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt, später kam die Auszeichnung als UNESCO Global Geopark hinzu. Dieser Beitrag stellt die Natur der Insel vor, von ihrer vulkanischen Entstehung bis zu Tieren und Pflanzen, die es nur hier gibt.

Eine junge Vulkaninsel

El Hierro ist geologisch die jüngste der Kanarischen Inseln. Sie entstand durch vulkanische Aktivität aus dem Atlantik. Die Landschaft wird von zahlreichen Vulkankegeln, Lavaströmen und Kratern geprägt. Besonders eindrucksvoll ist das Tal von El Golfo im Norden, ein riesiger Halbkreis aus steilen Wänden, der nach heutiger Kenntnis durch einen gewaltigen Hangrutsch entstanden ist. Dass die Insel noch aktiv ist, zeigte der untermeerische Ausbruch vor der Südküste in den Jahren 2011 und 2012. Mehr zur Geologie bietet der Wikipedia-Artikel zu El Hierro.

Vielfalt auf kleinem Raum

Trotz ihrer geringen Größe vereint die Insel sehr unterschiedliche Lebensräume:

Lebensraum Merkmale
Küste schroffe Klippen, Naturschwimmbecken aus Lava, wenige kleine Strände
Lavafelder karge, oft schwarze oder rötliche Flächen mit Pionierpflanzen
Kiefernwälder Kanarische Kiefern, die Feuchtigkeit aus Nebel auskämmen
Lorbeerwald feuchte, immergrüne Wälder in nebelreichen Höhenlagen
Hochebenen Weiden, Steinmauern und Ausblicke über die Insel

Der Sabinar

Ein bekanntes Naturmotiv der Insel ist der Sabinar im Westen. Dort wachsen Wacholderbäume, die der ständige Wind über Jahrhunderte in bizarre, fast waagrechte Formen gedrückt hat. Der Ort gilt als eines der Wahrzeichen von El Hierro.

Die Rieseneidechse

Zu den bekanntesten Tieren der Insel gehört eine Eidechse, die es nur hier gibt. Die Rieseneidechse von El Hierro galt lange als ausgestorben, bis in den 1970er-Jahren an einer schwer zugänglichen Steilwand im Gebiet von El Golfo überlebende Tiere entdeckt wurden. Seitdem wird die Art mit einem Zuchtprogramm geschützt, und Tiere wurden in geeigneten Gebieten wieder angesiedelt. Wer mehr über diese urzeitlich wirkende Echse erfahren möchte, findet einen eigenen Beitrag über die Rieseneidechse von El Hierro im El Hierro Lexikon.

Ein Meer voller Leben

Vor der Südküste liegt das Meeresschutzgebiet Mar de las Calmas. Das Wasser ist hier besonders ruhig und klar, da die Insel die Passatwinde abschirmt. Taucher schätzen die Vulkanlandschaft unter Wasser mit Bögen, Höhlen und steilen Wänden. Häufig werden Fischschwärme, Zackenbarsche, Rochen und Meeresschildkröten beobachtet. Der kleine Ort La Restinga gilt als Zentrum für Taucher.

Outdoor auf El Hierro

  • Wandern: Ein Netz markierter Wege verbindet Küste, Wälder und Hochebenen. Ein historischer Weg führt vom Meer bis zum höchsten Punkt der Insel.
  • Tauchen und Schnorcheln: Besonders an der Südküste im Mar de las Calmas.
  • Baden in Naturpools: Durch Lava geformte Becken an verschiedenen Küstenorten.
  • Sternbeobachtung: Wenig Lichtverschmutzung sorgt für klare Nächte.
  • Radfahren: Anspruchsvolle Strecken mit vielen Höhenmetern.

Nachhaltigkeit als Leitbild

El Hierro verfolgt seit Jahren das Ziel, sich weitgehend mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Das Kraftwerk Gorona del Viento kombiniert Windkraft mit einem Pumpspeichersystem, das Wasser zwischen zwei Becken auf unterschiedlicher Höhe bewegt. Auch im Tourismus setzt die Insel auf kleine Unterkünfte und einen schonenden Umgang mit der Natur.

Die beste Reisezeit für Naturfreunde

Dank des milden Klimas lässt sich El Hierro das ganze Jahr über besuchen. Für Wanderer sind Frühjahr und Herbst oft besonders angenehm, weil die Temperaturen gemäßigt sind. In den Höhenlagen kann es durch Nebel und Wind deutlich kühler sein als an der Küste, weshalb eine warme Jacke ins Gepäck gehört. Taucher schätzen den Spätsommer und Herbst, wenn das Meer am wärmsten ist.

Respektvoll unterwegs

Wer die Natur von El Hierro erkundet, sollte auf markierten Wegen bleiben, Abfall wieder mitnehmen und Tiere nicht stören. In Schutzgebieten gelten teils besondere Regeln, etwa beim Tauchen im Meeresreservat.

Fazit

El Hierro ist ein Naturparadies auf kleinem Raum. Vulkanlandschaften, Wälder, ein artenreiches Meer und endemische Arten wie die Rieseneidechse machen die Insel zu einem besonderen Ziel für alle, die Natur und Ruhe suchen.