Fuerteventura ist keine Insel, die man mit Angeln verbindet. Dabei bietet die zweitgrößte Kanareninsel einen der abwechslungsreichsten Küstenabschnitte im Atlantik: steile Lavafelsen im Norden, breite Sandbuchten im Süden, und dazwischen Strömungskanäle, in denen Goldbrassen, Meerbarben und gelegentlich Zahnbrassen das ganze Jahr über aktiv sind. Wer als Urlauber 2026 mit einer Angel ans Wasser möchte, sollte sich allerdings vorher informieren. Die spanischen Fischereibehörden haben die Kontrollen an den Küsten der Kanaren in den vergangenen zwei Jahren merklich verschärft.
Lizenzpflicht gilt auch für Touristen
Grundsätzlich braucht jeder, der auf Fuerteventura von der Küste aus angelt, eine gültige Angelgenehmigung. Das gilt unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Die Zuständigkeit liegt bei der Regierung der Kanarischen Inseln, konkret beim Consejería de Agricultura, Ganadería y Pesca. Eine Lizenz lässt sich online über die offizielle Plattform der Regionalregierung beantragen, alternativ in bestimmten Angelshops auf der Insel.
Die Standardlizenz für die Freizeitfischerei von der Küste kostet 2026 je nach Laufzeit zwischen 12 und 35 Euro. Eine Jahreslizenz ist für Urlauber in der Regel wenig sinnvoll. Wer nur zwei Wochen auf der Insel ist, greift zur kürzeren Variante. Wichtig: Die Lizenz muss während des Angelns im Original oder als digitale Kopie auf dem Smartphone vorgezeigt werden können. Ein Screenshot reicht, solange er lesbar ist.
Was erlaubt ist und was nicht
Die Freizeitfischerei von der Küste ist auf Fuerteventura auf bestimmte Methoden beschränkt. Erlaubt sind:
- Rute und Leine vom Ufer aus (Brandungsangeln)
- Handangeln mit maximal zwei Haken
- Leichte Spinnfischerei auf Meeresräuber
Verboten ist der Einsatz von Netzen, Reusen oder Harpunen ohne spezielle Genehmigung. Auch das Tauchen mit Unterwasserspeer ist ohne gesonderte Lizenz nicht erlaubt. Wer gegen diese Regeln verstößt, riskiert Bußgelder von 300 bis über 3.000 Euro, je nach Schwere des Verstoßes und der erwischten Menge. Die Guardia Civil und der lokale Fischereidienst kontrollieren besonders an Wochenenden und Feiertagen.
Schonzeiten und Fangbeschränkungen
Einige Arten unterliegen auf den Kanaren strikten Mindestmaßen. Wer diese nicht kennt, macht sich strafbar, auch wenn der Fang unbeabsichtigt war. Die wichtigsten Maße im Überblick:
| Art | Mindestmaß (cm) |
|---|---|
| Goldbrasse (Dorada) | 18 |
| Meerbarbe (Salmonete) | 11 |
| Zahnbrasse (Sama) | 15 |
| Lippfisch (Vieja) | 22 |
Untermaßige Fische müssen sofort zurückgesetzt werden, möglichst schonend. Die Tageshöchstmenge für Freizeitangler liegt bei 5 Kilogramm Gesamtfang pro Person. Ausgenommen sind Wettkampfsituationen mit offizieller Genehmigung. Gerade beim Lippfisch (Vieja) ist Vorsicht geboten: Er ist eine lokale Delikatesse, und die Kontrolleure schauen besonders genau hin.
Die besten Angelspots an der Küste
Der Norden der Insel rund um El Cotillo gilt unter erfahrenen Brandungsanglern als ergiebigster Abschnitt. Die Lavafelsen bieten natürliche Strömungsbrecher, an denen sich Goldbrassen und Lippfische sammeln. Allerdings ist der Zugang zu manchen Felsspitzen nur zu Fuß erreichbar und erfordert stabiles Schuhwerk. Bei auflandigem Wind kann es gefährlich werden, also immer die Wellenhöhe im Blick behalten.
Im Süden bieten die Bereiche um Morro Jable und Las Playitas gute Möglichkeiten. Las Playitas ist ohnehin ein kleines Angelerdorf und hat eine aktive lokale Fischergemeinschaft. Wer dort respektvoll auftritt und nicht die professionellen Fischerplätze blockiert, wird freundlich empfangen. Am Hafen selbst ist das Angeln allerdings eingeschränkt.
Für alle, die mehr über Geografie, Zufahrtswege und lokale Besonderheiten der Insel erfahren möchten, bietet das Fuerteventura-Lexikon eine umfangreiche Informationssammlung zu Ortschaften, Stränden und Küstenabschnitten, die auch für Angler nützlich ist.
Ausrüstung: Was man vor Ort bekommt
Große Angelausrüstung im Koffer mitzunehmen, lohnt sich selten. In Corralejo und Puerto del Rosario gibt es mehrere gut sortierte Angelshops, die lokale Köder, Blei-Sortimente für den Atlantiksand und robuste Brandungsruten verkaufen oder vermieten. Besonders die einheimischen Köder wie Gambas en salmuera (Krabben in Lake) und Calamar (Tintenfisch) funktionieren an der Fuerteventura-Küste deutlich besser als mitgebrachte Süßwasserköder.
Eine 4- bis 5-Meter-Brandungsrute mit 0,30er bis 0,35er Hauptschnur ist die Standardkombination. Der Grund ist oft felsig und schneidet dünne Schnüre schnell ab. Wer Spinnfischerei betreiben will, setzt auf leichte Meeresspinner in Silber oder Blau, die Stachelmakrelen und kleine Barrakudas zuverlässig ansprechen.
Praktische Hinweise für den Angeltag
Die besten Beißzeiten liegen erfahrungsgemäß in den frühen Morgenstunden zwischen 6 und 9 Uhr sowie kurz vor Sonnenuntergang. Mittags ist das Wasser oft zu warm und zu klar, die Fische ziehen in tiefere Zonen. Ein Pegel-App oder die Gezeitentabelle für Fuerteventura sollte vor jedem Angeltag konsultiert werden: Der Atlantikhub beträgt zwar nur rund 2 Meter, beeinflusst aber die Strömung an den Felsspitzen erheblich.
Sonnenschutz mit LSF 50+, ausreichend Wasser und festes Schuhwerk sind keine Empfehlungen für Vorsichtige, sondern schlichte Notwendigkeiten. Die Felsen sind glitschig, die Sonne ist gnadenlos, und die nächste Apotheke liegt manchmal eine halbe Stunde entfernt. Wer das beherzigt, erlebt auf Fuerteventura einen Angelurlaub, der mit Mittelmeerangeboten kaum zu vergleichen ist.